Work, travel, play!
Das "Jetset-Leben" eines Servicetechnikers im Außendienst
19. April 2016

Ben Reindl wurde von der Voith GmbH zum Industriemechaniker ausgebildet. Mit 33 Jahren hängt er nun seiner neugeborenen Tochter zuliebe das “Jetset-Leben” an den Nagel. “Jetset” als ausgebildete Fachkraft? Ja das geht! Ben erklärt uns, wie er als Servicetechniker im Außendienst 10 Länder in nur einem Jahr bereiste, wie sich das Leben mit Haus und Kind ändert, und was das alles mit American Football zu tun hat.

© privat

Kommt ganz schön rum: Ben Reindl arbeitet dort wo andere Urlaub machen. © privat


Glückwunsch zur kleinen Tochter! Aber jetzt fangen wir mal von vorne an. Warum hast du dich damals für eine Ausbildung entschieden?

Ehrliche Antwort? Ich bin zu faul gewesen (lacht). Ich wollte nach meinem Realschulabschluss nicht noch weiter die Schulbank drücken und mich auf viele weitere Tests und Klassenarbeiten vorbereiten müssen. Außerdem haben damals alle meine Kumpels eine Ausbildung angefangen. Dann war auch  für mich der weitere Weg klar.


Warum Industriemechaniker?

Ich war schon immer gerne in der Werkstatt unterwegs, und habe mich eigentlich immer für das Zusammenbauen, also die Montage, von technischen Geräten interessiert. Damals kannte ich die genaue Berufsbezeichnung noch nicht, aber im Prinzip war klar, dass ich Techniker werden wollte. Außerdem kann man handwerkliches Geschick im Leben immer gebrauchen!


Welche praktischen Vorteile hattest du denn von einer Ausbildung?

Eindeutig das Geldverdienen!


Was war dein erster Kauf vom Azubilohn?

Ich habe mir ein Motorrad gegönnt, sobald ich meinen Führerschein hatte.


Die neue Generation möchte Reisen. Deshalb stehen Auslandsaufenthalte und Auslandssemester nicht nur bei den Arbeitgebern hoch im Kurs, sondern sind ein großes Kriterium für die Berufswahl. Lass mal hören, was dein Ausbildungsberuf da bieten kann.

Ich habe mich mit meinem Beruf bewusst fürs Reisen entschieden. Als Servicetechniker im Außendienst verdient man gutes Geld und kann dabei die Welt sehen: Ich fliege in meinem Job von A nach B um Voith-Papiermaschinen beim Kunden  zu warten, Instand zu halten, oder zu optimieren . Beim Reisen lernt man so viel dazu fürs Leben, lernt neue Leute kennen und andere Kulturen – das war mir wichtig. Meine Entscheidung für Voith als internationalen Arbeitgeber hat sich für mich definitiv gelohnt. Ich bin froh, dass das so geklappt hat. Ich wäre sonst wahrscheinlich im Büro versauert.


“Was möchtest du später haben? Möchtest du Geld? Möchtest du die Welt sehen? Möchtest du früh Familie? Daraus ergibt sich dann eine Checkliste für deine Berufswahl.”

Auf Bens Facebookprofil haben wir uns mal eine Übersicht darüber verschafft, wo er 2014 und 2015 so alles war... ©stockWERK/fotolia.com; facebook.com

Auf Bens Facebookprofil haben wir uns mal eine Übersicht darüber verschafft, wo er 2014 und 2015 so alles war… Fazit: Er ist ganz schön rumgekommen! ©stockWERK/fotolia.com; facebook.com


Wo warst du denn schon alles? Letztes Jahr zum Beispiel.

Letztes Jahr war ich in Kanada, an vielen Orten quer durch Europa – Spanien, Portugal, Frankreich, Belgien, Holland, Italien, Schweden und Finland, in Indonesien, Indien mmh…  (muss nachdenken)  Ägypten, Malaysia und zu guter Letzt noch in Australien.


Das war’s? Du kommst ja „nie“ raus.

(lacht) Fast. Voith ist überall auf der Welt, man hilft sich gegenseitig! Ich war immer  bis zu 14 Tage auf Dienstreisen um die Kollegen vor Ort zu unterstützen.  Ich konnte aber oft  (besonders wenn man es im Voraus plant) direkt Urlaub anschließen und so das fremde Land genießen. Außerdem hat man natürlich an den Wochenenden Zeit, die Gegend zu erkunden.


Wie viele Servicetechniker sind in deinem Team und fliegen mit dir um die Welt?

Bei Voith gibt’s es noch 15 andere von mir. Ich kann ja nicht überall sein (lacht).


Was würdest du jungen Menschen raten, die sich jetzt für einen Beruf entscheiden müssen?

Weiterdenken! Nicht kurzfristig denken. Sondern:  Was möchtest du später haben? Möchtest du Geld? Möchtest du die Welt sehen? Möchtest du früh Familie? Daraus ergibt sich dann eine Checkliste für deine Berufswahl.


Sehr guter Tipp! Was ist mit dem Vorurteil, das man Studieren muss, um weit zu kommen? Wie schätzt du, als Insider im Unternehmensalltag, die Chancen ein, mit Ausbildung in eine Führungsposition zu kommen?

Früher, als noch weniger Leute studieren gegangen sind, war es ja Gang und Gäbe als Chef einen ehemaligen Azubi zu haben. Heute scheint es schwerer zu sein. Man darf sich aber nicht abschrecken lassen! Es gibt ja immer noch die Weiterbildung mit der man sich für die Führungsriege qualifizieren kann. Ich glaube dieses Jahr gab es sogar eine neue Studie, dass man mit Weiterbildung besser bezahlt wird als so mancher Bachelor-Absolvent…


Heute reist du ja nicht mehr so viel, weil du vor kurzem Vater geworden bist und gerade dein Haus umbaust. War es einfach beruflich zu wechseln?

Dank meiner guten Ausbildung ging das alles total reibungslos. Ich habe mich dank meiner Praxiserfahrung sofort zurecht finden können. Und ich muss schon sagen: Im Gegensatz zum Aufregenden Jetset ist die Werkstätte super entspannt. Man arbeitet von 6- 14 Uhr und hat danach Zeit für Hobbies, für Freunde und eben für Familie.


© Ostalb Highlanders

© Ostalb Highlanders

Du spielst, wenn es die Zeit zulässt, Football bei den Ostalb Highlanders in Heidenheim-Schnaitheim. Gibt es Parallelen zum Job?

Und zwar deutliche: Auch im American Football ist es das Teamwork, das zählt! Man arbeitet auf dem Feld auch oft mit einem internationalen Team und spricht ganz schön viel Englisch…


Wenn du dir ein Team aufstellen müsstest für deine eigene Firma, wann würdest du die Position mit einem ehemaligen Azubi besetzten, wann mit einem Studierten?

Der Azubi hätte als Konstrukteur einfach mehr Ahnung von der Mechanik. Er wird sich in der Praxis besser zurecht finden. Optimal wäre die Kombination aus Ausbildung und Weiterbildung oder Studium, aber für mich ist klar: Für alles handfeste, die Produktion etc. würde ich eine gelernte Fachkraft einstellen.

Was die Buchhaltung, Steuer, Rechtslage anbetrifft, würde ich dann auf einen Studierten zurückgreifen. Die sind traditionell stark in komplexen Theorien.

Es ist bei mir im Arbeitsalltag schon öfter vorgekommen, dass etwas von studierten Ingenieuren konstruiertes vom gelernten Fachmann in der Praxis erst mal optimiert wird. Ich denke, letztendlich ist es wie im Football: das Zusammenspiel macht‘s.

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