Ich bin dann mal Bundesbeste
Oder: Mit Spaß am Beruf zu Bestleistungen
5. November 2015

Aline Klaus ist deutschlandweit die Beste in ihrem Beruf – dafür wurde sie am letzten Freitag von der IHK Ostwürttemberg ausgezeichnet. Und dabei ist Aline eigentlich sogar in die Ausbildung reingerutscht, denn direkt nach dem Abi jobbte sie als Aushilfskraft in ihrem späteren Ausbildungsbetrieb, dem Restaurant Mauritius in Schwäbisch Gmünd. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, wie sich ihr Traumberuf einfach so ergeben hat, über ihre außerordentlichen Prüfungsergebnisse und warum man nicht einfach irgendwas studieren sollte…

Die 20-jährige Aline Klaus wurde Ende Oktober als Bundesbeste ihrer Ausbildung geehrt. Hier sieht man sie mit ihren stolzen Eltern.


Warum hast du dich im Allgemeinen für eine Ausbildung entschieden?

Aline: Ich wollte nicht einfach IRGENDWAS für drei bis vier Jahre studieren (oder noch länger), nur um dann in der Praxis festzustellen, dass mir vielleicht das Berufsfeld gar nicht liegt. Denn viele Studenten schreiben sich heute in den Studiengang ein, in den sie aufgrund des NCs noch reinkommen. Das finde ich Zeitverschwendung, um es krass auszudrücken. Daher entschied ich mich, nach dem Abi erst mal ein Jahr lang Geld zu verdienen und dabei heraus zu finden, was mir denn überhaupt Spaß macht. Schon vor dem Abi habe ich im Mauritius Restaurant in Schwäbisch Gmünd als Aushilfe gearbeitet – also wusste ich auch schon wo ich Jobben wollte. Dann hat mir meine Chefin dort von der Möglichkeit der Ausbildung zur Fachkraft zur Systemgastronomie erzählt. Das hörte sich gut an und nach der Ausbildung wäre ich dann auch erst 20 Jahre alt. Da kann man immer noch studieren gehen. Lieber erst mal eine sichere Basis schaffen.


Du bist letzten Freitag als Bundesbeste deines Berufs geehrt worden. Wie wird man so gut?

Aline: Ich habe immer auf eine gute Work-Life-Balance geachtet, also war ich nicht zwei Jahre lang im Dauerlernstress.  Aber ich hatte das Glück Interesse und Spaß an meinem Beruf zu haben. So wollte ich immer automatisch mehr lernen und mein Wissen vertiefen. Für die Prüfungen hab ich mich immer rechtzeitig gründlich vorbereitet,  denn ich wollte am Ende das „Sehr gut“ in meinem Gesellenbrief stehen haben. Dass ich in den Prüfungen dann alle anderen Azubis in Deutschland abhängen würde, konnte ich da ja noch nicht wissen… (lacht). Aber ich denke der Spaß an der Arbeit und die tolle Unterstützung meines Ausbilderbetriebs war das Ausschlaggebende.

Aline in Aktion: Im Mauritius begann die Bundesbeste als Aushilfe, dann boten ihr die Chefs den Ausbildungsplatz an - und sind heute sicher überglücklich mit ihrer Entscheidung.

Aline in Aktion: Im Mauritius begann die Bundesbeste als Aushilfe, dann boten ihr die Chefs den Ausbildungsplatz an – und sind heute sicher überglücklich mit ihrer Entscheidung.


»Wenn du einen Beruf wirklich erlernen willst, funktioniert das auch. Es gibt immer einen Weg. Glaub einfach an dich und bleib dran!«

Was macht man denn als Fachkraft für Systemgastronomie?

Aline: Eine Fachkraft für Systemgastronomie arbeitet zwar in der Gastronomie, muss aber auch viel kaufmännisches Wissen mit sich bringen. Es ist ein relativ junger Ausbildungsgang der durch Anregung großer Fastfoodketten entstanden ist. Die Ausbildung greift viele Themen aus dem Controlling und dem Bereich Human Resources auf. Man wird quasi auf eine Führungsposition in der Gastronomie hintrainiert – was schon ein ziemlich cooler Ausblick auf die Zukunft nach der Ausbildung ist.


Was sollte man für den Beruf in der Systemgastronomie mitbringen?

Aline: Durchhaltevermögen, Selbstvertrauen, Spaß bei der Arbeit, Belastbarkeit und zu guter Letzt Flexibilität, denn man arbeitet in der Gastronomie einfach zu ganz anderen Arbeitszeiten als bei „normalen“ Bürojobs. Aber ich finde man kann das Leben sehr gut außen rum planen: Zum Beispiel sind meine Pausen länger – somit kann ich auch mal zwischendrin einen Kaffee mit Freunden trinken gehen.


Als jemand, der sie selbst absolviert hat: Welche Vorteile siehst du bei der dualen Ausbildung?

Aline: Man verdient nicht nur Geld, sondern erlernt auch den Umgang mit Geld. Man lernt zu schätzen, was das Leben kostet und fängt an umzurechnen, wie viele Stunden man arbeiten muss, um sich z.B. ein Smartphone kaufen zu können.

Man lernt die Arbeitswelt kennen und unter anderem auch die Anwesenheitspflicht des Berufslebens. Man lernt für seine Position im Team Verantwortung zu tragen. Das bringt einem sehr viel auf dem Arbeitsmarkt.

Eine Ausbildung dauert 3 Jahre – oder sogar nur 2 Jahre, wenn sie verkürzt ist. Diese Zeit geht schnell vorbei und man hat anschließend etwas, worauf man aufbauen kann, selbst wenn der erlernte Beruf sich nicht als Traumjob entpuppt. Oben drauf studieren geht immer! Für mich wäre es schlimm, vier Jahre zu studieren, dann im Beruf anzukommen und festzustellen, dass ich vier Jahre in die falsche berufliche Richtung gegangen bin.


Wenn du einem Schulabgänger helfen solltest, sich für einen Beruf zu entscheiden, was würdest du ihm raten?

Aline: Mach das, was dir Spaß macht und nicht das, was Mama und Papa machen, nicht das, was die Freunde machen und auch nicht das, was die Masse macht. Überleg dir welche deiner Fähigkeiten du in ein Unternehmen einbringen kannst und welche Stärken für das Berufsleben sich davon ableiten. Überleg dir ob die Berufspraxis der Ausbildung nicht besser zu dir passt.

Egal was du werden willst – wenn du es wirklich willst, dann kommt es oft nicht auf Schulnoten an. Wenn du einen bestimmten Beruf erlernen willst, funktioniert das auch irgendwie – es gibt immer einen Weg. Selbst wenn du vielleicht erst im unbezahlten Praktikum deine Motivation und Eignung beweisen musst. Glaub einfach an dich und bleib dran!

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